Zweiter Vorsitzender Karl Meier bedankt sich mit je einer Flasche Wein - Gerhard Steiner

06.02.2026
Organisierte Nachbarschaftshilfe GEHIH „Generationen Hand in Hand“ als mögliches Zukunftsmodell für Neustadt

Organisierte Nachbarschaftshilfe – eine Option für Neustadt?

Der demografische Wandel stellt viele Kommunen vor neue Herausforderungen: Immer mehr Menschen werden älter, viele leben allein, Angehörige wohnen nicht immer in der Nähe und Pflegekräfte sind vielerorts knapp. Genau hier setzt die Frage an, welche die Freien Wähler Neustadt kürzlich in den Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung gestellt haben:

Kann eine organisierte Nachbarschaftshilfe auch in Neustadt ein funktionierendes Modell sein?

Um diese Frage fundiert zu beantworten, luden die Freien Wähler die beiden Koordinatoren des Vereins GEHIH – Generationen Hand in Hand ein: Elisabeth Gottsche und Joachim Sertl. Beide stellten den gemeinnützigen Verein mit Sitz in Eschenbach vor und erläuterten, wie das Konzept bereits in mehreren Gemeinden erfolgreich umgesetzt wird.

GEHIH: Ein Verein, der Hilfe organisiert – unkompliziert und bürgernah

GEHIH ist eine Selbsthilfeeinrichtung der Bürgerinnen und Bürger. Das bedeutet: Hilfe wird nicht als klassische Dienstleistung organisiert, sondern als gemeinschaftliches Modell, bei dem Menschen sich gegenseitig unterstützen.

Das Grundprinzip ist einfach:

  • Auf der einen Seite stehen Helferinnen und Helfer, die Zeit und Engagement einbringen.
  • Auf der anderen Seite stehen ältere, kranke oder hilfsbedürftige Menschen, die im Alltag Unterstützung benötigen.

Dabei geht es nicht um professionelle Pflege, sondern um praktische Hilfe, die das tägliche Leben erleichtert und soziale Teilhabe ermöglicht.

Das wichtigste Ziel, das die Koordinatoren hervorhoben, lautet:

➡️ Bürgerinnen und Bürger sollen so lange wie möglich im gewohnten Umfeld leben können.

Gerade dieser Ansatz ist für viele Menschen entscheidend – denn ein vertrautes Zuhause bedeutet Lebensqualität, Sicherheit und Selbstständigkeit.

Typische Hilfen: Von Begleitung bis Alltagshilfe

Besonders anschaulich wurde das Konzept durch die Beispiele, die während der Vorstellung genannt wurden. GEHIH organisiert unter anderem:

  • Unterstützung bei Aufgaben des täglichen Lebens
  • Hilfen nach Krankenhausaufenthalten, wenn Betroffene vorübergehend eingeschränkt sind
  • Begleitung zum Arzt oder zur Fußpflege
  • kleinere Gartenarbeiten, etwa Rasen mähen
  • Besuche zu Hause oder im Seniorenheim
  • Gesellschaft leisten, gemeinsame Spaziergänge
  • Hilfen bei technischen Problemen, z.B. Handy oder PC
  • Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen oder Schreiben im Alltag

Gerade diese „kleinen Dinge“ sind oft entscheidend. Wer beispielsweise nach einer OP nicht mehr selbst einkaufen kann oder niemanden hat, der ihn zum Arzt fährt, gerät schnell in eine schwierige Lage. Hier kann eine organisierte Nachbarschaftshilfe konkrete Entlastung schaffen – bevor größere Probleme entstehen

Mitgliedschaft: Klare Regeln und Absicherung

Ein wichtiger Punkt für viele Interessierte ist die Frage: Wie wird das Ganze organisiert – und wie sind Helfer abgesichert?

Die Koordinatoren erklärten, dass die Inanspruchnahme der Leistungen eine Mitgliedschaft im Verein voraussetzt. Der Jahresbeitrag liegt bei:

➡️ 30 Euro pro Jahr

Besonders wichtig: Diese Mitgliedschaft beinhaltet eine umfassende Absicherung. Tätigkeiten im Rahmen des Vereins sind durch eine

  • Unfallversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Kaskoversicherung

abgedeckt.

Damit wird sowohl den Hilfesuchenden als auch den Helferinnen und Helfern Sicherheit gegeben – ein entscheidender Faktor, damit das Engagement dauerhaft funktioniert.

Finanzierung: Kommunen tragen das Projekt mit

GEHIH ist bereits in mehreren Gemeinden aktiv. Laut Angaben der Koordinatoren sind derzeit 12 Kommunen, überwiegend im westlichen Landkreis, Mitglied. Auch Parkstein gehört bereits dazu.

Die Finanzierung erfolgt über einen Beitrag der teilnehmenden Kommunen:

➡️ 50 Cent pro Einwohner und Jahr

Zusätzlich wird das Projekt vom Landkreis Neustadt an der Waldnaab gefördert.

Das bedeutet: Für eine Stadt wie Neustadt wäre die finanzielle Beteiligung überschaubar – könnte aber gleichzeitig eine wichtige Grundlage schaffen, um Nachbarschaftshilfe strukturiert und zuverlässig aufzubauen.

Wie könnte ein Einstieg für Neustadt aussehen?

Die Freien Wähler zeigten sich nach dem Vortrag sehr beeindruckt und sehen in GEHIH eine realistische Chance, Neustadt langfristig sozial stärker aufzustellen.

Konkret wollen sie nun versuchen, das Thema im Stadtrat voranzubringen. Geplant ist, die beiden Koordinatoren zu einer Stadtratssitzung einzuladen, um das Modell auch dem gesamten Gremium vorzustellen.

Voraussetzung für eine konkrete Umsetzung wäre allerdings:

  • Die Stadt Neustadt müsste dem Verein beitreten
  • und den jährlichen Beitrag von 50 Cent pro Einwohner leisten

Sollte diese Bereitschaft bestehen, wäre als nächster Schritt notwendig, dass die Stadt mindestens einen sogenannten „Vermittler“ benennt. Diese Person würde als Ansprechpartner fungieren und die lokale Organisation mit unterstützen.

Nach Angaben der Freien Wähler gibt es bereits eine interessierte Person, die diese Rolle übernehmen könnte.

Informationsarbeit vor Ort: Vereine als Schlüsselpartner

Ein weiterer Bestandteil des GEHIH-Konzepts ist die aktive Vorstellung in der Bevölkerung. Wenn Neustadt beitreten würde, könnten die Koordinatoren gemeinsam mit dem Vermittler das Projekt in verschiedenen Gruppen und Organisationen präsentieren, zum Beispiel:

  • bei Seniorengruppen
  • beim VdK
  • beim Frauenbund
  • in Vereinen und anderen sozialen Organisationen

Damit würde das Modell schnell bekannt gemacht und potenzielle Helferinnen und Helfer könnten gezielt gewonnen werden.

Dank zum Abschluss

Am Ende der Veranstaltung bedankte sich der zweite Vorsitzende der Freien Wähler Neustadt, Karl Meier, bei den beiden Koordinatoren Elisabeth Gottsche und Joachim Sertl für den informativen Vortrag. Als Anerkennung überreichte er beiden jeweils eine Flasche Wein.

 

GEHIH zeigt eindrucksvoll, wie Bürgerinnen und Bürger sich gegenseitig helfen können, ohne große Hürden und mit klarer Organisation. Für Neustadt könnte das ein wichtiger Baustein sein, um älteren Menschen Sicherheit und Lebensqualität im Alltag zu geben.